Parmeliaceae
Isländisches Moos
Cetraria islandica (L.) Ach.
Heimische Strauchflechte saurer, nährstoffarmer Heide-, Moor- und lichter Kiefernwaldstandorte. Arzneilich wird der getrocknete Thallus traditionell als reizlindernde Schleimdroge bei Mund- und Rachenreizungen mit trockenem Husten sowie bei zeitweiliger Appetitlosigkeit eingeordnet.
Wirkung und Einordnung
Evidenz: moderat (3/5)
Die Evidenz ist mittig-traditionell. Es gibt eine EU-HMPC-Monografie für traditionelle Anwendungen als Schleimhautreiz-lindernde Droge bei trockenem Husten sowie bei zeitweiliger Appetitlosigkeit. Der HMPC weist zugleich darauf hin, dass die klinische Studienlage klein ist und unter anderem fehlende Placebovergleiche die Aussage begrenzen. Reviews und experimentelle Arbeiten stützen Inhaltsstoff- und Plausibilitätsaspekte, besonders Schleimstoffe und Flechtensäuren, doch eine robuste klinische Wirkung über definierte Fertigpräparate oder Teezubereitungen hinaus ist nicht gesichert.
Anwendung
- Der HMPC bewertet getrockneten, zerkleinerten Thallus sowie definierte Auszüge aus Cetraria islandica als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Reizlinderung bei Mund- und Rachenschleimhautreizungen mit trockenem Husten. Diese Einordnung beruht auf langjähriger Anwendung, nicht auf stark belegter klinischer Wirksamkeit.
- Für zeitweilige Appetitlosigkeit wird Isländisches Moos ebenfalls traditionell eingeordnet; plausibel ist vor allem der bittere Geschmack von Flechtensäuren. Diese Anwendung richtet sich laut HMPC an Erwachsene und ersetzt keine Abklärung bei anhaltendem Gewichtsverlust, Schluckstörungen oder unklaren Magen-Darm-Beschwerden.
- Pharmakologische Arbeiten beschreiben Schleimstoffe wie Lichenan und Isolichenan sowie Flechtensäuren mit immunologischen, antimikrobiellen und entzündungsbezogenen Effekten in Labor- und Tiermodellen. Solche Befunde erklären Plausibilität, belegen aber keine Selbstbehandlung schwerer Atemwegs- oder Magen-Darm-Erkrankungen.
- Ökologisch ist die Art vor allem als Spezialist nährstoffarmer, lichter und oft historisch extensiv genutzter Lebensräume bedeutsam. Gerade weil sie langsam wächst und in Deutschland stark gefährdet ist, ist Schutz der Standorte wichtiger als gärtnerische oder arzneiliche Eigenentnahme.
Ökologische Bedeutung
Ökologie: hoch (4/5)
Isländisches Moos ist eine heimische, bundesweit stark gefährdete und besonders geschützte Strauchflechte lichter, saurer und nährstoffarmer Heide-, Moor- und Flechten-Kiefernwald-Lebensräume. Ihr ökologischer Wert liegt vor allem in der Bindung an seltene, störungsarme Standorte und in der Anzeige nährstoffarmer, luft- und lichtgeprägter Lebensräume; Wildsammlung schwächt langsam wachsende Bestände.
Studien und Quellen
- EMA/HMPC, Lichen islandicus: EU-Monografie und Zusammenfassung
- EMA/HMPC, Assessment report Cetraria islandica thallus
- Petruczynik et al. 2022, Review zu Botanik, Inhaltsstoffen und Pharmakologie der Gattung Cetraria
- Kempe et al. 1997, Isländisch-Moos-Pastillen bei gereizter Mund- und Rachenschleimhaut
- NCBI Taxonomy, Cetraria islandica (L.) Ach. und Basionym Lichen islandicus
- Rote-Liste-Zentrum, Isländisches Moos: stark gefährdet und besonders geschützt
- Wikimedia Commons, Cetraria islandica 100911.JPG