Evidenzorientiertes Pflanzenwissen

Orobanchaceae

Echter Augentrost

Euphrasia officinalis L.

Heimische, einjährige Halbschmarotzerin magerer Wiesen und Weiden mit kleinen weiß-violetten Blüten und gelbem Schlundfleck. Medizinisch ist Augentrost vor allem aus Augenpräparaten und traditioneller Anwendung bekannt; die EMA/HMPC hat jedoch keine EU-Monografie angenommen, sondern nur ein Public Statement veröffentlicht.

Augentrost Wiesen-Augentrost Euphrasia Euphrasiae herba Euphrasia rostkoviana Eyebright
Bild: Wikimedia Commons, Thomas Krucker, CC BY-SA 4.0, skaliert und komprimiert. Quelle öffnen

Wirkung und Einordnung

Evidenz: niedrig (1/5)

Die Evidenz bleibt schwach. Eine offene, unkontrollierte Kohortenstudie mit Euphrasia-Augentropfen bei Bindehautbeschwerden berichtete zwar deutliche Besserungen, kann aber ohne Placebo- oder Vergleichsgruppe keine Wirksamkeit belegen. Zellversuche mit Kombinationspräparaten aus Kamille und Augentrost zeigen antioxidative und entzündungsbezogene Effekte, lassen sich jedoch nicht direkt auf klinische Augenbeschwerden übertragen. Plausibel sind vor allem reizlindernde und adstringierende Effekte durch Schleimhautkontakt in geeigneten, sterilen Produkten.

gerbstoffhaltig flavonoidhaltig iridoidhaltig adstringierend traditionell entzündungsmodulierend präklinisch heimischer Wiesen-Hemiparasit

Anwendung

  • Augentrost wird traditionell vor allem im Bereich gereizter, geröteter oder tränender Augen verwendet; für Augenanwendungen kommen nur sterile Fertigpräparate infrage.
  • Die EMA/HMPC hat für Euphrasiae herba keine EU-Herbal-Monografie angenommen. Das spricht gegen eine tragfähige traditionelle Zulassungseinordnung auf EU-Ebene und verlangt eine besonders vorsichtige Nutzenformulierung.
  • Lose Teezubereitungen gehören nicht ins Auge. Selbst hergestellte Augenspülungen oder Kompressen aus Kräutertee sind wegen Keim- und Partikelrisiko ungeeignet.

Ökologische Bedeutung

Ökologie: hoch (4/5)

Echter Augentrost ist eine heimische, gefährdete Art extensiv genutzter Wiesen, Weiden und Magerrasen. Als einjähriger Wurzel-Hemiparasit ist er eng an lückige, artenreiche Grünlandbestände gebunden; seine kleinen Blüten werden von Insekten besucht und die Art zeigt nährstoffarme, spät oder maßvoll bewirtschaftete Standorte an.

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Studien und Quellen