Evidenzorientiertes Pflanzenwissen

Papaveraceae

Schöllkraut

Chelidonium majus L.

Heimische, gelb blühende Ruderal- und Saumpflanze mit fiederteiligen Blättern und auffällig orangegelbem Milchsaft. Arzneilich wurde das Kraut traditionell bei krampfartigen Verdauungs- und Gallenbeschwerden genutzt; heute steht wegen Berichten über Leberschäden die Sicherheitsbewertung klar im Vordergrund.

Gemeines Schöllkraut Großes Schöllkraut Warzenkraut Goldwurz Chelidonii herba Greater celandine
Bild: Wikimedia Commons, Robert Flogaus-Faust, CC BY 4.0, skaliert und komprimiert. Quelle öffnen

Wirkung und Einordnung

Evidenz: niedrig (1/5)

Chelidonium majus enthält Isochinolin-Alkaloide wie Chelidonin, Sanguinarin, Coptisin und Berberin. Pharmakologische Arbeiten beschreiben unter anderem spasmolytische, antimikrobielle und entzündungsbezogene Effekte, doch die klinische Nutzenlage bleibt schwach. Mehrere Reviews und Fallauswertungen berichten wahrscheinlich oder hochwahrscheinlich mit Schöllkrautpräparaten verbundene Leberschäden; angesichts begrenzter belegter Vorteile fällt die Nutzen-Risiko-Abwägung für die innerliche Anwendung kritisch aus.

alkaloidhaltig traditionell spasmolytisch eingeordnet orangegelber Milchsaft potenziell lebertoxisch heimische Ruderalpflanze

Anwendung

  • EMA/HMPC hat für Chelidonii herba keine EU-Kräutermonografie verabschiedet; ein öffentliches Statement und ein Assessment Report dokumentieren die Bewertung und Sicherheitsbedenken.
  • Traditionelle Anwendungen betreffen vor allem dyspeptische und biliäre Beschwerden sowie äußerlich den Milchsaft bei Warzen. Diese Anwendungen sind nicht mit robusten klinischen Wirksamkeitsbelegen gleichzusetzen.
  • Wegen dokumentierter Fälle von arzneipflanzenbedingter Leberschädigung sollte Schöllkraut nicht zur eigenständigen innerlichen Selbstmedikation genutzt werden; Warnzeichen wie Gelbsucht, dunkler Urin, Juckreiz, starke Müdigkeit oder Oberbauchschmerz erfordern ärztliche Abklärung.

Ökologische Bedeutung

Ökologie: moderat (3/5)

Schöllkraut ist eine heimische, häufige Ruderal- und Saumpflanze nährstoffreicher halbschattiger Standorte. Die gelben Blüten werden von kurzrüsseligen Insekten besucht; besonders interessant sind die ölhaltigen Elaiosomen der Samen, die Ameisen anlocken und zur Ausbreitung beitragen.

Ameisen kleine Wildbienen Schwebfliegen Ruderalflur-Insekten Saumfauna heimische Wildpflanze Papaveraceae Ruderalpflanze Ameisenausbreitung Elaiosom Mauerspalten ungefährdet

Studien und Quellen