Evidenzorientiertes Pflanzenwissen

Caryophyllaceae

Kahles Bruchkraut

Herniaria glabra L.

Heimische, niedrige Sand- und Trittflurpflanze mit niederliegenden Trieben, winzigen grünlichen Blütenknäueln und kleinen gegenständigen Blättern. Medizinisch wird das blühende Kraut als Tee traditionell zur Durchspülung bei leichten Beschwerden der ableitenden Harnwege verwendet.

Glattes Bruchkraut Bruchkraut Harnkraut Dürrkraut Tausendkorn Herniariae herba Smooth rupturewort
Bild: Wikimedia Commons, Stefan.lefnaer, CC BY-SA 4.0, skaliert und komprimiert. Quelle öffnen

Wirkung und Einordnung

Evidenz: begrenzt (2/5)

Die Evidenz beruht auf langjähriger traditioneller Anwendung; ausreichende klinische Studien für eine gesicherte Wirksamkeit fehlen. Inhaltsstoffarbeiten beschreiben unter anderem Triterpensaponine, Flavonoide und Cumarine, liefern aber vor allem pharmakologische Plausibilität. Eine neuere Untersuchung isolierte zahlreiche Herniaria-Saponine und fand in den geprüften Enzymtests keine oder nur geringe Hemmung, sodass daraus keine weitergehenden Heilaussagen ableitbar sind.

traditionell diuretisch saponinhaltig flavonoidhaltig cumarinhaltig heimische Sand- und Trittflurpflanze

Anwendung

  • EMA/HMPC bewertet Herniariae herba als traditionelle pflanzliche Zubereitung zur Erhöhung der Harnmenge, um die ableitenden Harnwege bei leichten Beschwerden zu spülen.
  • Die Monografie bezieht sich auf getrocknete, zerkleinerte, blühende oberirdische Teile von Herniaria glabra, H. hirsuta oder H. incana, üblicherweise als Tee.
  • Bruchkraut ersetzt keine Behandlung einer bakteriellen Harnwegsinfektion. Brennen, Fieber, Blut im Urin, Flankenschmerz oder anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt.

Ökologische Bedeutung

Ökologie: moderat (3/5)

Kahles Bruchkraut ist eine heimische, trittverträgliche Art offener Sand- und Ruderalstandorte. Seine sehr kleinen grünlichen Blüten sind ökologisch unauffällig, doch die Pflanze stabilisiert lückige, trockene Rohbodenstellen und ergänzt spezialisierte Sand- und Pflasterfugenvegetation, die in gepflegten Siedlungsräumen oft fehlt.

Sandtrockenrasenfauna Trittflurarten kleine Blütenbesucher Bodenfauna Ruderalflora heimische Wildpflanze Caryophyllaceae Sandstandort Pflasterfuge trittverträglich Rohboden ungefährdet

Studien und Quellen