Lamiaceae
Gewöhnlicher Andorn
Marrubium vulgare L.
Heimischer Lippenblütler trocken-warmer Ruderalfluren mit weißfilzigen, runzeligen Blättern und kleinen weißen Lippenblüten in dichten Scheinquirlen. Das blühende Kraut ist ein ausgeprägtes Bittermittel; EMA/HMPC führt traditionelle Anwendungen bei Erkältungshusten, leichten Verdauungsbeschwerden und vorübergehender Appetitlosigkeit auf.
Wirkung und Einordnung
Evidenz: begrenzt (2/5)
Die EMA/HMPC-Monografie bewertet alle drei Anwendungsgebiete als traditionelle pflanzliche Verwendung. Das bedeutet: Die langjährige Anwendung macht eine Wirkung plausibel, ausreichende klinische Studien für eine etablierte Wirksamkeit liegen aber nicht vor. Für Tee, Extrakte und andere Zubereitungen dürfen deshalb keine gleich starken oder präparatübergreifenden Wirkaussagen abgeleitet werden.
Anwendung
- EMA/HMPC ordnet Andornkraut traditionell als schleimlösendes Mittel bei Husten im Zusammenhang mit einer Erkältung ein. Die Anwendung ist für Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren vorgesehen.
- Traditionell wird das Kraut außerdem zur Linderung leichter dyspeptischer Beschwerden wie Völlegefühl und Blähungen sowie bei vorübergehender Appetitlosigkeit eingesetzt.
- Bitterstoffe wie Marrubiin und geringe Mengen ätherischen Öls liefern eine pharmakologische Plausibilität. Sie ersetzen jedoch keine hochwertigen klinischen Wirksamkeitsstudien.
Ökologische Bedeutung
Ökologie: hoch (4/5)
Gewöhnlicher Andorn ist eine heimische Pflanze trocken-warmer Dorf- und Ruderalfluren, in Deutschland jedoch vom Aussterben bedroht. Seine Lippenblüten liefern Pollen und Nektar für Hummeln, Wildbienen und weitere Blütenbesucher. Besonders wertvoll sind der Schutz letzter Wildstandorte und die Kultur aus legaler, regional geeigneter Herkunft.