Evidenzorientiertes Pflanzenwissen

Malvaceae

Winter-Linde

Tilia cordata Mill.

Heimischer Laubbaum mit kleinen herzförmigen Blättern, rostbraunen Haarbüscheln in den Nervenwinkeln der Blattunterseite und duftenden Blütenständen an einem zungenförmigen Hochblatt. Das Artenprofil beschreibt Tilia cordata; die Arzneidroge Tiliae flos kann dagegen auch von Sommer-Linde oder Holländischer Linde stammen.

Steinlinde Kleinblättrige Linde Herzlinde Small-leaved lime
Bild: Wikipedia/Wikimedia, Winter-Linde. Quelle öffnen

Wirkung und Einordnung

Evidenz: begrenzt (2/5)

Die medizinische Einordnung beruht auf langjähriger traditioneller Anwendung und Plausibilität, nicht auf einer gut etablierten klinischen Wirksamkeit. Die EMA/HMPC-Monografie umfasst zerkleinerte Lindenblüten als Tee sowie definierte Flüssigextrakte und Tinkturen. Bei der periodischen Überprüfung bis 2022 fand das HMPC keine neuen Daten, die eine Revision oder Hochstufung der Monografie ausgelöst hätten. Botanische Merkmale, Standort und Ökologie dieses Profils gelten dagegen ausschließlich für die Winter-Linde Tilia cordata.

traditionell bei Erkältung traditionell bei mildem Stress schleimstoffhaltig flavonoidhaltig aromatisch

Anwendung

  • Die EMA/HMPC-Monografie führt Lindenblüten als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Erkältungssymptomen.
  • Eine zweite traditionelle Indikation ist die Linderung leichter Symptome von mentalem Stress; das ist kein Nachweis einer klinisch gesicherten beruhigenden Wirkung.
  • Die Monografie gilt für Blüten von Tilia cordata, Tilia platyphyllos, Tilia x vulgaris oder deren Mischungen. Handelsware mit der Bezeichnung Lindenblüten ist daher nicht automatisch Winter-Linde.

Ökologische Bedeutung

Ökologie: sehr hoch (5/5)

Die heimische Winter-Linde ist ein besonders wertvoller, langlebiger Lebensraum- und Trachtbaum. Ihre stark duftenden Blüten versorgen Honigbienen, Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen sowie Tag- und Nachtfalter mit Nektar und Pollen. Blätter, Blattläuse und Honigtau nähren weitere Nahrungsketten; Altbäume bieten Totholz, Rindenspalten und Höhlen. Diese Angaben sind artspezifisch für Tilia cordata belegt.

Honigbienen Wildbienen Hummeln Schwebfliegen Tag- und Nachtfalter Käfer Vögel Totholzbewohner heimischer Trachtbaum Sommertracht Nektar Pollen Raupenfutter Honigtau Totholz Höhlenbaum

Studien und Quellen