Gentianaceae
Echtes Tausendgüldenkraut
Centaurium erythraea Rafn s. l.
Heimische, ein- bis zweijährige Bitterpflanze magerer Säume, Waldschläge und Halbtrockenrasen. Das blühende Kraut ist von EMA/HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei vorübergehender Appetitlosigkeit sowie milden Verdauungsbeschwerden eingeordnet; belastbare klinische Wirksamkeitsnachweise fehlen.
Wirkung und Einordnung
Evidenz: begrenzt (2/5)
Die Einordnung beruht auf traditioneller Anwendung, nicht auf gut belegten klinischen Studien. EMA/HMPC bewertet die Verwendung bei Appetitlosigkeit und milden Verdauungsbeschwerden als plausibel, weil Bitterstoffe Geschmacks- und Verdauungsreflexe anregen können; zugleich weist die EMA ausdrücklich auf fehlende klinische Studien und nur begrenzte Laborbefunde hin. Reviews beschreiben secoiridoide Bitterstoffe, Xanthone, Flavonoide und weitere Inhaltsstoffe sowie vielfältige präklinische Effekte. Diese Befunde erklären die traditionelle Bitterstoffnutzung, erlauben aber keine Aussagen zur Behandlung von Magengeschwüren, Gallenwegserkrankungen, Infektionen, Stoffwechselkrankheiten oder schweren Magen-Darm-Beschwerden.
Anwendung
- EMA/HMPC ordnet Zubereitungen aus Centaurii herba als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei vorübergehender Appetitlosigkeit sowie milden Verdauungs- und Magen-Darm-Beschwerden ein.
- Die Anwendung richtet sich an Erwachsene und ältere Menschen. Wenn Beschwerden während der Anwendung länger als zwei Wochen anhalten, wiederkehren oder sich verschlechtern, ist ärztlicher oder pharmazeutischer Rat nötig.
- Tausendgüldenkraut ist eine sehr bittere Droge. Für Tee, Kaltmazerat, Tinktur oder Extrakt sind geprüfte Handelsware und die jeweilige Packungsbeilage maßgeblich; geschützte Wildbestände dürfen nicht gesammelt werden.
Ökologische Bedeutung
Ökologie: hoch (4/5)
Echtes Tausendgüldenkraut ist eine heimische Art lichter, magerer und oft konkurrenzarmer Standorte. Die kleinen rosafarbenen Blüten werden von kurzrüsseligen Insekten wie Wildbienen, Schwebfliegen, Faltern und weiteren Blütenbesuchern genutzt; zugleich zeigt die Art den Wert extensiv gepflegter Säume, Waldschläge und Magerrasen an. Weil sie bundesrechtlich besonders geschützt ist, zählt vor allem der Erhalt vorhandener Wildstandorte.
Studien und Quellen
- EMA/HMPC, Centaurii herba
- EMA/HMPC, European Union herbal monograph on Centaurium erythraea herba
- EMA/HMPC 2026, Addendum zum Assessment Report Centaurii herba
- El Menyiy et al. 2021, Phytochemical properties and medicinal use of Centaurium erythraea
- FloraWeb/BfN, Centaurium erythraea Rafn s. str.
- World Flora Online, Centaurium erythraea Rafn